Tantra ist ein System esoterischer Lehren und Praktiken, das mit Hilfe von Zaubersprüchen, Ritualen, Bildern, Tänzen und erotischen Handlungen den Kontakt mit der göttlichen Welt herzustellen und die Erlösung zu erlangen sucht. Materie, Körper, Worte, Gesten, Seele und Geist werden zu Trägern der göttlichen Wirklichkeit und zu Mitteln des Heils.

Gesten und Bewegungen des Körpers sind im Tantrismus von großer Bedeutung. Erotik, Sinnlichkeit und Leidenschaft können nun zu heilsamen Tugenden werden. Der Ausdruck des Körpers im Tanz hat religiöse Kraft. Im Tanz verspüren die Menschen ihre Beziehung zu den Göttern.

Noch intensiver wird der Körper dort in die religiöse Dimension einbezogen, wo die sexuelle Vereinigung als Weg zur Ekstase und zum Heil angesehen wird. In der Vereinigung zwischen Mann und Frau wird die mystische Einheit mit der göttlichen Welt erfahren. Darin liegt auch eine neue Wertung der Frau. Sie gilt nicht mehr als ein Gefäß des Bösen.

Auch die Sprache ist ein tantrisches Mittel. Wie die Hindus benutzen auch die Buddhisten Zaubersprüche. Mit einem Mantra kann man böse Geister abwehren und gute herbeirufen. Durch ein Mantra kann man sogar die Erlösung gewinnen, wenn man nur alle Regeln beachtet, die festgelegt sind.

Auch die Übungen des Geistes haben im Tantrismus ihren Platz. Die Meditation gewinnt eine neue und in der ganzen Religionsgeschichte wohl einmalige Bedeutung.

Eine wichtige Hilfe zur Meditation sind die Mandalas (sanskrit: Kreis). Ein Mandala ist meist ein rundes kreis-symmetrisches Bild, auf dem in Kreisen und Vierecken viele Dinge zu sehen sind, die zum göttlichen Bereich des Vajrayana gehören.

Sie sind für den europäischen Betrachter nicht leicht zu verstehen. Ein Mandala stellt geistige und kosmische Beziehungen dar, es zeigt die Verhältnisse von Ich, Welt und Göttlichem auf. Die buddhistischen Gottheiten werden als Personen oder in Symbolen gezeigt. Oft ist auf dem Mandala das ganze Universum mit Buddhas und Bodhisattvas, mit Göttinnen und Göttern, mit Äbten, Lamas und Mönchen, mit Tieren und Pflanzen, mit Bergen und Flüssen zu sehen.

Ein Mandala ist meist auf farbigem Stoff oder Papier gemalt, kann aber auch mit farbigem Reis auf dem Boden angefertigt oder in Stein oder Metall eingeritzt sein. Es zeigt dem Meditierenden einen Weg zum Verständnis von Mikro- und Makrokosmos. Hier kann ihm etwas aufgehen von den geheimnisvollen Zusammenhängen seines Lebens mit der Welt und dem göttlichen Buddha.